Was bedeutet ARC bei Büchern? Rezensionsexemplare erklärt
ARC steht für “advance reader copy”, also Vorab-Leseexemplar. Es ist eine frühe Ausgabe eines Buchs, die vor dem Erscheinen verschickt wird, damit Rezensentinnen, Buchhandel, Bibliotheken und Buch-Accounts es rechtzeitig zum Erscheinungstag lesen und darüber sprechen können.
Auf BookTok wird ARC auch als Verb benutzt, und daneben steht eARC für die digitale Fassung.
Wie man es auf Deutsch sagt
Im deutschen Verlagswesen heißt das Ding seit jeher Rezensionsexemplar, kurz RezEx, oder Leseexemplar beziehungsweise Vorabexemplar. Das ist der korrekte Begriff, wenn du einen Verlag anschreibst.
Im Netz dominiert trotzdem das englische Kürzel, weil die Plattformen, über die diese Exemplare vergeben werden, NetGalley und Edelweiss, auf Englisch laufen und ihr Vokabular mitbringen. Beide Wörter meinen dasselbe.
Was tatsächlich in einem ARC steht
Ein ARC ist nicht das fertige Buch. Es wird meist aus einem späten, aber nicht endgültigen Manuskript gesetzt, kann also Tippfehler, einen ungeprüften Satz, ein vorläufiges Cover und gelegentlich Szenen enthalten, die vor dem Erscheinen gestrichen werden.
Deshalb steht auf fast jedem ARC eine Zeile wie “unkorrigierte Fassung, nicht für den Verkauf”. Zwei praktische Folgen:
- Aus einem ARC zu zitieren ist riskant. Der Satz, den du geliebt hast, steht vielleicht nicht im fertigen Buch. Wer zitiert, gleicht mit dem endgültigen Text ab.
- Ein ARC zu verkaufen ist nicht erlaubt. Sie werden verschenkt, nicht verkauft, und der Weiterverkauf ist der schnellste Weg, keine weiteren zu bekommen.
Wie man tatsächlich an ARCs kommt
Vier Wege, grob nach Offenheit sortiert:
- NetGalley und Edelweiss. Digitale Exemplare direkt bei den Verlagen anfragen. Für alle offen, wobei jede Anfrage genehmigt oder abgelehnt wird, oft anhand deiner Rezensionsbilanz.
- Verlagsnewsletter und Verlosungen. Viele Verlage verlosen gedruckte Exemplare offen.
- Direkt über die Presseabteilung. Wer eine Bilanz vorweisen kann, bekommt Angebote. Ab da jagt man ARCs nicht mehr.
- Autoren-Teams. Kleinere und selbstverlegende Autorinnen werben Lesende direkt an.
Die unglamouröse Wahrheit: Zugang verdient man sich eher mit einer verlässlichen Rezensionsbilanz als mit Reichweite. Wer 90 Prozent des Angefragten auch bespricht, ist einem Verlag mehr wert als ein großer Account mit 30 Prozent.
Die Pflichten, die mit einem ARC kommen
Ein ARC ist kein Geschenk. Es ist ein Buch gegen eine Rezension, und es gibt Regeln:
- Rezensiere nahe am Erscheinen, nicht Monate später. Genau darum geht es beim Vorlauf.
- Kennzeichne es. “Ich habe ein Rezensionsexemplar erhalten” ist Standard, und in Deutschland ist die Kennzeichnung als Werbung je nach Fall eine rechtliche Pflicht und keine Höflichkeit.
- Ehrlich heißt ehrlich. Eine negative Rezension ist zulässig und erwartet. Verlage bitten um Besprechungen, nicht um Lob.
- Halte deine Quote hoch. Deutlich mehr anzufragen als zu besprechen ist der übliche Grund, warum Genehmigungen ausbleiben.
- Teile die Datei nicht. Ein eARC weiterzugeben ist schlicht Piraterie an einem unveröffentlichten Buch.
Darf man ein ARC abbrechen?
Ja, und man sollte es sagen. Wenn ein Buch nicht funktioniert, ist es hilfreicher, es als abgebrochen mit der Seite zu markieren, auf der du aufgehört hast, als eine erzwungene Besprechung von etwas, das du nicht gelesen hast. Üblich ist eine kurze Notiz, wo und warum du ausgestiegen bist, und die ist für andere Lesende ausgesprochen informativ.
ARC und die benachbarten Kürzel
- eARC: die digitale Fassung, meist über NetGalley oder Edelweiss.
- DRC: “digital review copy”, dieselbe Sache unter anderem Namen.
- Fahne oder Andruck: ältere Setzerbegriffe für dieselbe Zwischenstufe.
- Blurb: das Lobzitat, das ein Verlag bei einer anderen Autorin einholt, oft auf Basis eines ARC geschrieben.
- TBR: der Stapel, dem genehmigte ARCs sofort beitreten.
Mehr im Lese-Glossar.
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